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Buchhaltungstrends für internationale Unternehmen

Das Rechnungswesen muss sich heute nicht nur mit der Erfassung finanzieller Informationen befassen, sondern auch mit nicht-finanziellen Informationen, Controlling, IT und Prozessthemen, um den verschiedenen Stakeholdern valide und aussagekräftige Ist- und Plandaten zur Verfügung stellen zu können. Die zunehmende Komplexität soll zu mehr Transparenz führen, aber die Buchhaltungsabteilungen müssen sich auf die neuen Anforderungen einstellen. Werfen wir einen Blick auf die Trends im Rechnungswesen.

Die Finanzinformationen bleiben der Grundpfeiler der Rechnungslegung

Bargeldorientierung

Während die Cashflow-Orientierung bei der Unternehmensbewertung schon immer wichtig war, hat sich der Schwerpunkt in der klassischen Rechnungslegung auf Bewertungskriterien verlagert, um ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Lage eines Unternehmens vermitteln zu können. Die Fokussierung auf Cashflows hätte jedoch mehrere positive Auswirkungen auf die Rechnungslegung: Die monatliche Rechnungslegung könnte schneller durchgeführt werden, da der Fokus auf der vollständigen Belegbuchung und nicht auf der Bewertung einzelner Bilanzpositionen liegt. Die Liquiditätssituation wird transparenter dargestellt und das Rechnungswesen wird sich generell auf die aktuelle Situation des Unternehmens konzentrieren und nicht auf zukünftige Entwicklungen.

Die Cashflow-Orientierung hat folgende positive Auswirkungen für ein Unternehmen:

  • Geringere Komplexität und mehr Transparenz durch Berücksichtigung von Zahlungsströmen
  • Weniger Bewertung und mehr Cashflow-Orientierung und damit Konzentration auf die vorhandene Liquidität (und nicht auf den zukünftigen Wert)
  • Geringere Risiken und mehr Klarheit im operativen Management
  • Es wird weniger Zeit für den Monatsabschluss benötigt, der gleichzeitig für die Liquiditätsplanung an Bedeutung gewinnt.

Planung und Berichterstattung in allen erdenklichen Dimensionen

Die Planung und damit das Controlling wird für das Rechnungswesen immer wichtiger, um z.B. auf Veränderungen schnell reagieren zu können. Die Planungssysteme eines Unternehmens sollten interne Daten und externe Entwicklungen berücksichtigen, um die vielen möglichen Entwicklungen eines Unternehmens einschätzen zu können. Dabei sind folgende Punkte zu beachten:

Die Qualität der Planung kann erhöht werden, indem die für das Unternehmen relevanten Trends ermittelt und ihre Auswirkungen auf das Unternehmen herausgearbeitet werden. Was relevant ist, muss für jedes Unternehmen individuell entschieden werden (Parameter können sein: finanzielle Auswirkungen, Risiko, soziale Auswirkungen, Auswirkungen auf einen Standort usw.). Die Trends helfen bei der Ableitung einer möglichen oder wahrscheinlichen zukünftigen Entwicklung und sollten in den verschiedenen Planungsmethoden berücksichtigt werden. Z.B. rollierende Vorhersage oder Szenarioanalyse, etc.

2) Erklären Sie die Geschichte

Die Vergangenheit zu verstehen hilft, die Zukunft zu planen. Daher sollte ein Managementinformationssystem (MIS) als Ausgangspunkt für die Planung dienen. Ein gutes MIS oder Berichtssystem deckt den Informationsbedarf der verschiedenen Interessengruppen ab.

3) Bereitstellung von entscheidungsrelevanten Informationen

Die Planung soll als Steuerungsinstrument dienen und Entscheidungen handlungsorientiert vorbereiten. Die Planung von reinen Finanzkennzahlen sollte vermieden werden. Alle Werttreiber eines Unternehmens sollten die Grundlage der Planung bilden und Maßnahmen sollten bewertet und diskutiert werden.

4) Planungsrechnungen können als Mittel der Kommunikation dienen

Die Planung kann die Unternehmenskommunikation unterstützen oder Daten für sie liefern. Dazu ist eine weitgehend selbsterklärende Beschreibung oder Darstellung notwendig.

Bei der Planung sollten die folgenden Punkte berücksichtigt werden:

  • Echtzeit-Verarbeitung von Ist-Daten
  • Business Intelligence als unterstützende Software
  • Finanzielle und nicht-finanzielle Daten sollten gleichermaßen berücksichtigt werden
  • Geschäftsplan, Budget, Prognosen, Business Cases: Einsatz aller Planungsinstrumente
  • Ausrichtung der Planung auf die Werttreiber des Unternehmens einschließlich externer Faktoren
  • Szenario-Analyse

Governance und Compliance als Rückgrat des Unternehmens

Das Management des Finanz- und Rechnungswesens ist heute zunehmend gefordert, die Prozesse in einem Unternehmen "compliant" zu machen. Dazu gehören zum Beispiel die Datenerfassung bei Neukundeninvestitionen (Feststellung der wirtschaftlich Berechtigten, Passkopien, KYC usw.) sowie die Festlegung von Kontrollschritten für kritische Geschäfte Prozesse. Es gilt, eine adäquate Organisationsform mit entsprechenden Regeln zu definieren und sicherzustellen, dass das Unternehmen im Ausland im Rahmen der geltenden Gesetze tätig ist. Die Prozesse kann z.B. in einem Dokumentenmanagementsystem verankert werden, das auf vordefinierten Checks and Balances basiert.

Compliance-relevante Themen sind so in Prozesse fest verankert und gewährleisten eine einheitliche Handhabung. Die Abteilung Finanz- und Rechnungswesen kann in der Regel bei der Erarbeitung der folgenden Themen helfen:

  • Weiterer Ausbau der Governance
  • Sicherstellung der Einhaltung der Vorschriften im Finanz- und Rechnungswesen (4-Augen-Prinzip usw.)
  • Überprüfung und Dokumentation der internen Kontrollen
  • Unterstützung der Fachabteilungen

Nicht-finanzielle Informationen werden für die Rechnungslegung immer wichtiger

Die Anforderungen an die Rechnungslegung werden immer vielfältiger und das Wissen über die Bilanzierung nicht-finanzieller Informationen ist zunehmend gefragt. Diese vergleichsweise junge Rechtsmaterie ist durch eine Vielzahl neuer Leitlinien und Entwicklungen gekennzeichnet, die jedoch alle im Allgemeinen darauf abzielen, die bestehenden Vorschriften zu vereinfachen und die Transparenz zu erhöhen. Einige der einschlägigen Leitlinien werden im Folgenden vorgestellt.

EU-Richtlinie über die Offenlegung von nichtfinanziellen und Diversitätsinformationen

Ende 2014 verabschiedete die Europäische Kommission die Richtlinie 2014/95/EU, die große Unternehmen verpflichtet, eine nichtfinanzielle Erklärung in ihre Unternehmensberichterstattung aufzunehmen.

Die Offenlegungsstandards verpflichten bestimmte Unternehmen zur Berichterstattung über nichtfinanzielle Informationen, und die Unternehmensberichterstattung wandelt sich von einer reinen Finanzberichterstattung zu einer erweiterten Berichterstattung, die auch die Berücksichtigung nichtfinanzieller Informationen in der Rechnungslegung erfordert. Bestimmte Großunternehmen sind unabhängig von ihrer Branche verpflichtet, eine nichtfinanzielle Erklärung abzugeben, die mindestens Informationen über Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelange, die Achtung der Menschenrechte und die Bekämpfung von Korruption und Bestechung enthält. Man hofft, dass die nachhaltigen Grundsätze in das Geschäftsmodell eines Unternehmens einfließen und in performance management integriert werden.

Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, haben sich die Unternehmen darauf eingestellt, ihre interne und externe Unternehmensberichterstattung anzupassen, indem sie geeignete Inhalte schaffen und in einer Weise berichten, die revisionssicher ist. Diese nichtfinanzielle Erklärung umfasst eine Beschreibung der Strategien, Ergebnisse und Risiken im Zusammenhang mit diesen Themen und kann in den Lagebericht oder einen separaten Bericht des Unternehmens aufgenommen werden. Darüber hinaus muss ein Unternehmen umfassende Aussagen zu den Auswirkungen des Unternehmens auf seine Umwelt machen und diese auf die erweiterte Lieferkette ausdehnen. Insbesondere müssen die folgenden Informationen enthalten sein:

  1. eine kurze Beschreibung des Geschäftsmodells des Unternehmens;
  2. eine Beschreibung der von dem Unternehmen in diesen Bereichen verfolgten Politik, einschließlich der angewandten Sorgfaltspflicht-Prozesse ;
  3. das Ergebnis dieser Strategien
  4. die Hauptrisiken in Bezug auf die mit der Geschäftstätigkeit des Unternehmens verbundenen Angelegenheiten, einschließlich - soweit relevant und angemessen - seiner Geschäftsbeziehungen, Produkte oder Dienstleistungen, die in diesen Bereichen nachteilige Auswirkungen haben können, und wie das Unternehmen mit diesen Risiken umgeht;
  5. nichtfinanzielle Leistungsindikatoren, die für das jeweilige Geschäft relevant sind.

Darüber hinaus ist eine Beschreibung der verfolgten Diversitätsstrategie in Bezug auf Aspekte wie Alter, Geschlecht, Bildungs- und Berufshintergrund erforderlich.

Global Reporting Initiative

Der Nachhaltigkeitsbericht ist das Hauptmedium eines Unternehmens zur Kommunikation von wirtschaftlichen, ökologischen, sozialen und führungsbezogenen Themen. Der GRI-Leitfaden zeichnet sich durch klare Regelungen aus und hat insbesondere für die Nachhaltigkeitsberichterstattung die folgenden Verbesserungen und Neuerungen gebracht:

  • Benutzerfreundlichkeit für neue und erfahrene Berichterstatter durch klare Definitionen
  • Konzentration auf die wesentlichen Aspekte eines Unternehmens, um Informationen zu liefern, die für Unternehmen und Stakeholder in Zukunft wichtig sind. "Konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche, wo es wichtig ist! Damit sollen die Berichte strategischer, fokussierter und gleichzeitig relevanter und leichter lesbar werden.
  • Zwei Optionen für die Berichterstattung nach den GRI-Leitlinien, die sich im Umfang unterscheiden: "Kern" (Kernoption) oder "Umfassend" (umfassende Option).

Der Bericht richtet sich an interne und externe Stakeholder, um die (nachhaltigen) positiven und negativen Auswirkungen eines Unternehmens auf Wirtschaft und Gesellschaft zu erläutern. Die Vorschriften stellen eine Vereinfachung für die Berichterstatter und die Leser des Berichts dar, da sie gezieltere und relevantere Informationen zu den wichtigsten Themen liefern.

Leitlinien für die Offenlegung von Wasserdaten durch Unternehmen

Die Corporate Water Disclosure Guidelines wurden vom Pacific Institute in Zusammenarbeit mit PWC, CDP (Carbon Disclosure Project), WRI (World Resources Institute) und GRI (Global Reporting Initiative) entwickelt. Die Leitlinien sollen dazu dienen, den Wasserverbrauch eines Unternehmens zu messen und zu bewerten und die mit dem Wasserverbrauch verbundenen Herausforderungen und Chancen zu verstehen. 

Die Offenlegung dieser Informationen kann zu einem besseren Verständnis der wasserbezogenen Risiken und Chancen des Unternehmens und ihrer Auswirkungen beitragen und durch einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess und die Einbeziehung der Interessengruppen den Ruf des Unternehmens verbessern und das Vertrauen der Anleger stärken.

Weitere wichtige Leitlinien sind:

  • AA 1000 Standard für die Einbeziehung von Interessengruppen
  • GHG-Protokoll Unternehmensstandard
  • Internationaler Rat für integrierte Berichterstattung
  • UN Global Compact

Organisatorische Verankerung der Datenerhebung von nicht-finanziellen Informationen

Die größten Herausforderungen für das interne Rechnungswesen sind die Datenerfassung und die Datenkonsolidierung. Darüber hinaus gehen die GRI-Berichtspflichten oft über den finanziellen Konsolidierungskreis hinaus, da die Berichtsgrenzen oft weiter gefasst sind (z. B. wenn Lieferanten einbezogen werden). Auch die Berechnung der Treibhausgasemissionen entspricht oft nicht dem finanziellen Konsolidierungskreis.

Es ist unbestritten, dass das Know-how für die Datenerfassung und -analyse in den Buchhaltungsabteilungen über Jahrhunderte aufgebaut wurde. Allerdings muss die Buchhaltung ihre Fähigkeiten von einer reinen Finanzverwaltung zu einer integrierten Sichtweise entwickeln, die finanzielle und nicht-finanzielle Informationen gleichermaßen berücksichtigt.

Schlussfolgerung

Während im Finanz- und Rechnungswesen nach wie vor finanzielle Informationen die wichtigsten von der Abteilung bereitgestellten Daten sind, werden nicht-finanzielle Informationen in Zukunft zunehmend an Bedeutung gewinnen. Um die Komplexität zu reduzieren, ist es hilfreich, sich auf Cashflows zu konzentrieren, aber gleichzeitig die Planungs- und Prozessqualität der Abteilung zu verbessern. Die Planung sollte finanzielle und nicht-finanzielle Informationen berücksichtigen und die aus der Planung und Strategie abgeleiteten betriebswirtschaftlichen Maßnahmen sollten sich im Unternehmen widerspiegeln. Kontaktieren Sie uns, um Ihre Buchhaltung neu zu gestalten Prozesse (und zukunftssicher zu machen).

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Georg Tichy

Georg Tichy

Georg Tichy ist Unternehmensberater in Europa mit den Schwerpunkten Top-Management-Beratung, Projektmanagement, Corporate Reporting und Fundingsupport. Dr. Georg Tichy ist auch Trainer, Dozent an Universitäten und Berater zu aktuellen wirtschaftlichen Themen. Kontaktieren Sie mich oder buchen Sie einen TerminAutorbeiträge anzeigen